Ladezeit

WordPress ist langsam: wo die Zeit verloren geht

Ursachen finden statt an Symptomen schrauben. Wir zeigen, wo bei einer gewachsenen Installation die Sekunden liegen bleiben und wann sich Optimieren nicht mehr beheben lässt.

Vorab

Langsam ist ein Gefühl, bis man es misst

Fast jede Anfrage zu diesem Thema beginnt mit einem Eindruck: Die Seite fühlt sich zäh an. Das ist ein guter Ausgangspunkt, aber kein Befund. Erst die Messung sagt, ob das Problem beim Server, beim Aufbau der Seite oder bei den Bildern liegt.

Wichtig ist dabei der Unterschied zwischen Labor und Wirklichkeit. Ein Testwerkzeug misst unter idealen Bedingungen, Ihre Besucher sitzen im Zug mit schlechtem Empfang. Deshalb schauen wir immer auf beides: die Messung im Labor, weil sie Ursachen zeigt, und die Felddaten aus echten Aufrufen, weil sie zeigen was die Leute wirklich erleben.

Rechnet man einen typischen Aufruf durch, verteilt sich die Zeit meist auf drei Blöcke. Der Server braucht einen Moment, bis er antwortet. Dann lädt der Browser Stildateien, Skripte und Schriften, bevor er überhaupt etwas zeichnen kann. Und zuletzt kommen die Bilder. Wenn man diese drei Blöcke einzeln misst, sieht man sofort wo die Zeit verloren geht, und die Diskussion über Vermutungen ist beendet.

Mit unter stellt sich dabei heraus, dass die Seite gar nicht langsam ist, sondern nur spät etwas anzeigt. Das ist ein anderes Problem und deutlich billiger zu lösen. Was hinter den Messwerten steckt, steht ausführlich unter Core Web Vitals verständlich erklärt.

Ursachen

Die sechs üblichen Verdächtigen

In dieser Reihenfolge finden wir sie am häufigsten. Die ersten beiden erklären größten teils schon den Löwenanteil.

01

Der Page Builder

Baukästen erzeugen für ein einfaches Layout oft ein Vielfaches an Code. Dazu kommen eigene Stildateien und Skripte, die auf jeder Seite mitgeladen werden, auch wenn die Seite nur aus Text besteht. Das ist die häufigste Einzelursache.

02

Zu viele Erweiterungen

Jede aktive Erweiterung darf eigene Dateien einbinden. Zwanzig Stück summieren sich schnell auf hundert zusätzliche Anfragen pro Aufruf. Besonders teuer sind Slider, Formularbaukästen und alles was Schriften oder Symbole nachlädt.

03

Bilder

Fotos in Originalgröße, in veralteten Formaten und ohne feste Maße. Sie kosten Ladezeit und lassen das Layout während des Aufbaus springen. Das ist die Ursache die sich am schnellsten beheben lässt.

04

Datenbank

Nach Jahren sammeln sich Beitragsversionen, verwaiste Einstellungen und Protokolle an. Bei jedem Aufruf wird mehr durchsucht als nötig. Aufräumen hilft, allerdings weniger spektakulär als viele hoffen.

05

Fremde Dienste

Karten, Videos, Chat-Fenster, Bewertungssterne, Statistik. Jedes eingebundene Werkzeug bringt eigene Ladezeit mit, auf die Sie keinen Einfluss haben. Und einwilligungspflichtig ist das meiste davon obendrein.

06

Hosting

Günstige Pakete teilen sich Ressourcen mit vielen anderen Kunden. Wenn die Antwortzeit des Servers schon bei einer Sekunde liegt, hilft keine Optimierung im Frontend. Das ist einiger maßen leicht zu erkennen und meist günstig zu ändern.

Vorgehen

Wie wir vorgehen

  1. Messen und einordnen

    Labormessung mehrerer Seitentypen, dazu die Felddaten aus echten Aufrufen. Getrennt nach Mobilgerät und Rechner, weil sich die Bilder deutlich unterscheiden.

  2. Serverzeit prüfen

    Wie lange braucht der Server, bis er das erste Byte schickt. Liegt der Wert hoch, beginnt die Arbeit dort und nicht bei den Bildern.

  3. Ballast sichtbar machen

    Wir listen jede geladene Datei mit Herkunft und Größe. Meist zeigt sich sofort, welche Erweiterung wieviel kostet.

  4. Schnelle Gewinne umsetzen

    Bilder konvertieren und skalieren, Schriften lokal einbinden, unnötige Skripte auf den Seiten abschalten wo sie nichts tun, Zwischenspeicher sauber konfigurieren.

  5. Nachmessen

    Gleiche Bedingungen wie vorher, sonst ist der Vergleich wertlos. Sie bekommen die Werte vorher und nachher schriftlich.

Erwartung

Was realistisch drin ist

Im wesentlichen hängt das Ergebnis davon ab, wie viel Ballast im Weg liegt. Ein paar Erfahrungswerte, ohne Versprechen für Ihren Fall:

  • Bilder und Schriften richtig ausgeliefert: oft eine halbe bis eine Sekunde weniger
  • Unnötige Skripte je Seite abgeschaltet: spürbar bei der Reaktionsfähigkeit
  • Besseres Hosting oder Zwischenspeicher: kürzere Antwortzeit des Servers
  • Page Builder ersetzt: der größte Sprung, aber auch der größte Eingriff

Keine Punktzahl-Versprechen

Werte nahe hundert sind bei geeigneten Projekten erreichbar, wir sagen sie aber niemals vorher zu. Ein hoher Wert bei schlechter Nutzererfahrung ist wertlos, und ein mittlerer Wert bei schneller Seite ist kein Problem.

Grenze

Wann Optimieren nicht mehr reicht

Es gibt einen Punkt, an dem jede weitere Stunde Optimierung weniger bringt als der Umbau. Diese Grenze erkennen Sie an drei Dingen.

  • Der Großteil des geladenen Codes stammt aus Theme und Baukasten und lässt sich nicht abschalten, ohne dass das Layout bricht.
  • Jede Verbesserung wird beim nächsten Update wieder zunichtegemacht, weil sie an Stellen sitzt die überschrieben werden.
  • Die Seite braucht drei Zwischenspeicher-Ebenen, damit sie überhaupt akzeptabel läuft, und jede davon verursacht eigene Fehler.

Wir sehen diesen Punkt in der Praxis oft bei Installationen, die zwischen fünf und zehn Jahre alt sind und in denen mehrere Dienstleister nacheinander gearbeitet haben. Dann liegen im Theme Anpassungen übereinander, von denen niemand mehr weiß welche noch gebraucht wird.

Dann rechnen wir Ihnen beides gegeneinander: weiter optimieren oder den Unterbau tauschen. In vielen Fällen ist der Nachbau mit gleicher Optik nach zwei Jahren die günstigere Variante, wie unter Umbau mit Erhalt des Designs beschrieben. Der mittlere Weg, bei dem WordPress bleibt und nur der Ballast verschwindet, steht unter der mittlere Weg über ein Refactoring.

Ein Punkt noch zur Erwartungshaltung. Eine gewachsene WordPress-Seite von vier auf zwei Sekunden zu bringen ist meist machbar. Von zwei auf unter eine Sekunde wird deutlich aufwendiger, weil dann strukturelle Dinge im Weg stehen und nicht mehr einzelne Dateien. Wo genau Ihr Aufwand liegt, sagt die Messung.

Zu guter letzt noch ein Hinweis, der oft untergeht: Geschwindigkeit ist kein Selbstzweck. Sie zahlt auf zwei Dinge ein, auf die Zufriedenheit Ihrer Besucher und auf die Wahrscheinlichkeit, dass jemand den Vorgang überhaupt abschließt. Beides lässt sich messen und lohnt den Aufwand deutlich mehr als eine höhere Punktzahl in einem Testwerkzeug.

Häufige Fragen

Fragen zur Ladezeit

Bringt ein Caching-Plugin nicht schon genug?

Es hilft, aber es verdeckt die Ursache. Ein Zwischenspeicher liefert fertige Seiten aus und verbirgt damit, dass der Aufbau eigentlich zu lange dauert. Sobald etwas nicht aus dem Speicher kommt, ist die Langsamkeit wieder da. Zusätzlich erzeugen solche Erweiterungen eigene Fehlerquellen.

Wie wichtig ist der PageSpeed-Wert für Google?

Er ist ein Faktor unter vielen und nicht der wichtigste. Google bewertet die Erfahrung echter Nutzer, nicht die Punktzahl eines Testlaufs. Eine Seite mit passendem Inhalt und mittlerer Geschwindigkeit schlägt eine schnelle Seite ohne Substanz.

Muss ich für schnellere Ladezeiten das Design ändern?

Meistens nicht. Der Ballast steckt im Code, nicht im Aussehen. Nur wenn große Bildergalerien oder aufwendige Animationen zentral zum Konzept gehören, muss man über Alternativen sprechen. Das entscheiden wir gemeinsam und nicht einseitig.

Was kostet eine Optimierung?

Die Analyse mit Bericht ist überschaubar und liefert Ihnen belastbare Zahlen. Die Umsetzung hängt davon ab, was gefunden wird. Wir arbeiten in Stufen, sodass Sie nach den schnellen Gewinnen entscheiden können, ob mehr sinnvoll ist.

Hilft ein Wechsel des Hosters?

Wenn die Antwortzeit des Servers hoch ist, ja, und dann meist deutlich. Wenn der Server schnell antwortet und trotzdem alles zäh wirkt, ändert ein Wechsel wenig. Genau deshalb messen wir vorher, statt pauschal einen Umzug zu empfehlen.

Nächster Schritt

Erst messen, dann entscheiden

Nennen Sie uns die Adresse Ihrer Website. Sie bekommen eine Messung mit den drei größten Bremsen und einer Einschätzung, was sich davon leicht beheben lässt.