Im System bleiben

WordPress Refactoring: technische Schulden abbauen

Aufräumen statt neu bauen. WordPress bleibt bestehen, wird aber schlanker, schneller und wartbarer. Der mittlere Weg zwischen Weiterwurschteln und komplettem Ausstieg.

Begriff

Was technische Schulden im Alltag bedeuten

Der Begriff kommt aus der Softwareentwicklung und beschreibt etwas, das jeder aus dem eigenen Haushalt kennt: Man löst ein Problem schnell statt richtig und zahlt später Zinsen darauf.

Bei einer Website sieht das so aus. Ein Layout klappt auf dem Handy nicht, also kommt eine kleine Ausnahme in die Stildatei. Ein Kunde braucht ein Feld im Formular, also wird eine zweite Erweiterung installiert. Ein Update macht Ärger, also wird eine Datei angepasst statt das Child-Theme zu nutzen.

Jede dieser Entscheidungen war im Moment vernünftig. Nach fünf Jahren liegt aber so viel davon auf einander, dass jede neue Änderung teurer wird als die vorherige. Genau das sind technische Schulden und Refactoring ist ihr Abbau.

Schulden abbauen heißt dabei nicht, alles auf einmal zu tilgen. Es reicht meist, die teuersten Posten anzugehen: die Stellen, an denen jede kleine Änderung überproportional viel Zeit kostet. Welche das sind, zeigt sich schon nach wenigen Stunden in einer Installation.

Wichtig: Refactoring ändert nicht, was die Website tut. Es ändert nur, wie sie es tut. Für Ihre Besucher sieht danach alles aus wie vorher, bis auf die Ladezeit. Das ist der Unterschied zu einem Relaunch, bei dem sich Struktur und Gestaltung mit ändern.

Wann sich das lohnt

Wenn die Redaktion mit WordPress gut zurecht kommt, die Struktur passt und nur die Technik unordentlich ist. Dann ist Aufräumen deutlich günstiger als der Wechsel.

Wann eher nicht

Wenn im Haus ohnehin niemand mehr Inhalte pflegt. Dann zahlen Sie für ein System das Sie nicht nutzen und lohnt der Blick auf die Ablösung des Unterbaus mehr.

Woran man es merkt

Anzeichen für eine überfällige Aufräumaktion

Technische Schulden sind unsichtbar, bis sie Geld kosten. Diese Signale kennen die meisten Kunden aus dem Alltag, ordnen sie aber selten technisch ein.

  • Eine kleine Änderung am Layout wird angeboten und dauert dann drei Tage.
  • Vor jedem Update herrscht Unruhe, weil niemand weiß was diesmal bricht.
  • Für jede neue Anforderung wird eine weitere Erweiterung vorgeschlagen.
  • Niemand kann erklären, warum eine bestimmte Datei so aussieht wie sie aussieht.
  • Auf dem Handy lädt die Seite spürbar länger als die der Wettbewerber.

Wenn Sie hier mehrfach nicken, ist der Zeitpunkt gut. Je länger gewartet wird, desto mehr baut sich auf, und irgendwann kippt die Rechnung zugunsten eines kompletten Nachbaus.

Umfang

Sechs Baustellen, die wir regelmäßig finden

Nicht jede ist bei jedem Projekt dabei. Die Reihenfolge entspricht in etwa dem Nutzen den sie meist bringen.

01

Erweiterungen ausdünnen

Doppelte Funktionen zusammenführen, verwaiste Pakete entfernen, überdimensionierte Werkzeuge durch wenige Zeilen eigenen Code ersetzen. Meist bleibt am Ende etwa die Hälfte übrig. Mehr dazu unter Erweiterungen sinnvoll reduzieren.

02

Builder-Ballast ersetzen

Seiten, die im Baukasten gebaut wurden, werden auf saubere Vorlagen umgestellt. Das Aussehen bleibt, der ausgelieferte Code schrumpft oft auf ein Drittel. Das ist der größte Einzelposten und der aufwendigste.

03

Eigenen Code ordnen

Anpassungen wandern aus dem Theme in ein Child-Theme oder in ein eigenes kleines Modul. Damit überlebt jede Änderung das nächste Update, ohne dass jemand sie an Hand alter Notizen rekonstruieren muss.

04

Datenbank bereinigen

Alte Beitragsversionen, Reste entfernter Erweiterungen, verwaiste Einstellungen und aufgeblähte Protokolltabellen. Der Effekt auf die Ladezeit ist kleiner als viele hoffen, der auf die Wartbarkeit größer.

05

Auslieferung optimieren

Bilder in modernen Formaten, Schriften lokal statt von fremden Servern, Skripte nur dort laden wo sie gebraucht werden. Was dahintersteht, erklären wir unter Ladezeit messbar verbessern.

06

Betrieb absichern

Aktuelle PHP-Version, geprüfte Backups, Testumgebung für Updates, aufgeräumte Benutzerkonten. Das ist unspektakulär und verhindert die meisten späteren Notfälle.

Ablauf

Wie wir vorgehen

  1. Analyse mit Bericht

    Wir sehen uns Installation, Theme, Erweiterungen, Datenbank und Ladeverhalten an. Sie bekommen eine Liste der Baustellen, jeweils mit Aufwand und erwartetem Nutzen.

  2. Reihenfolge festlegen

    Gemeinsam entscheiden wir, was zuerst passiert. Meist beginnen wir mit dem was schnell wirkt, damit der Nutzen früh sichtbar wird.

  3. Testumgebung aufsetzen

    Eine vollständige Kopie, in der gearbeitet wird. Die Live-Seite bleibt während der gesamten Zeit unangetastet und erreichbar.

  4. In kleinen Schritten umbauen

    Nach jedem Schritt wird geprüft: Startseite, Menüs, Formulare, Suche, die wichtigsten Unterseiten. So bleibt jederzeit nachvollziehbar was eine Änderung bewirkt hat.

  5. Zurückspielen und messen

    Die geprüfte Fassung geht live. Danach vergleichen wir Ladezeiten und Fehlerprotokolle mit dem Zustand davor.

  6. Übergabe mit Dokumentation

    Sie bekommen schriftlich, was geändert wurde und warum. Damit kann jeder andere Dienstleister nahtlos weiterarbeiten.

Ergebnis

Was sich danach ändert

Refactoring ist unsichtbare Arbeit. Deshalb legen wir Wert darauf, den Effekt messbar zu machen statt ihn zu behaupten.

  • Weniger Erweiterungen, dadurch weniger Updates und weniger Konfliktrisiko
  • Deutlich kleinerer ausgelieferter Code, spürbar auf Mobilgeräten
  • Änderungen am Layout dauern Stunden statt Tage
  • Updates lassen sich wieder einspielen, ohne dass jemand die Luft anhält
  • Eine Dokumentation, die zu Grunde liegt wenn später jemand Neues übernimmt

Ehrliche Grenze

Wenn das Theme selbst das Problem ist und nicht mehr gepflegt wird, ist Refactoring Flickwerk. Dann ist der Nachbau das beste Vorgehen, auch wenn er zuerst teurer aussieht.

Vergleich

Refactoring, Reparatur oder Rückbau

Die drei Wege werden oft verwechselt. Sie lösen unterschiedliche Probleme und kosten unterschiedlich viel.

Abgrenzung der drei Leistungen nach Anlass, Ziel und Wirkung
Kriterium Reparatur Refactoring Rückbau
Anlass etwas ist kaputt alles läuft, aber zäh Pflege lohnt nicht mehr
Ziel wieder funktionsfähig wartbar und schnell ohne laufende Pflege
System danach WordPress WordPress schlanke Auslieferung
Dauer Stunden bis Tage ein bis vier Wochen zwei bis acht Wochen
Wirkt gegen akute Ausfälle steigende Kosten dauerhaften Aufwand

In der Praxis folgen die Wege oft aufeinander. Erst wird repariert, weil es dringend ist, dann wird aufgeräumt, weil dieselbe Baustelle sonst wiederkommt. Und irgendwann stellt sich die Frage, ob das System überhaupt noch gebraucht wird. Diese Reihenfolge ist völlig in Ordnung, solange sie bewusst passiert und nicht aus Zufall. Was wir vermeiden wollen, ist der vierte Fall: jahrelang reparieren, ohne je die Frage zu stellen warum dieselben Dinge immer wieder kaputtgehen.

Häufige Fragen

Fragen zum Refactoring

Merken meine Besucher etwas davon?

Am Aussehen nichts, an der Geschwindigkeit meistens schon. Genau das ist das Ziel: gleiche Seite, weniger Ballast. Wenn wir gestalterisch etwas ändern müssen, weil eine alte Lösung technisch nicht sinnvoll erhaltbar ist, zeigen wir das vorher und entscheiden es mit Ihnen.

Was kostet das im Vergleich zu einem Neubau?

Meist deutlich weniger, weil Konzept, Gestaltung und Inhalte bereits vorhanden sind. Wir arbeiten in abgegrenzten Paketen, sodass Sie nach dem ersten Schritt entscheiden können ob es weitergeht. Eine Zahl nennen wir nach der Analyse, nicht davor.

Kann ich während der Arbeiten Inhalte pflegen?

Ja, mit einer Einschränkung. Größere inhaltliche Änderungen sollten wir kurz absprechen, damit sie beim Zurückspielen nicht verloren gehen. Normale Beiträge und kleine Korrekturen sind kein Problem.

Bleibt meine Sichtbarkeit bei Google erhalten?

Beim Refactoring ändern sich weder Adressen noch Inhalte, deshalb ist das Risiko gering. Bessere Ladezeiten wirken sich eher positiv aus. Anders sieht es aus, wenn im gleichen Zug die Struktur geändert wird. Dann gelten die Regeln aus der abgesicherten Migration.

Wie lange hält so ein Aufräumen?

Das hängt davon ab, ob danach Regeln gelten. Ohne Absprachen sammelt sich in zwei bis drei Jahren wieder Ballast an. Mit einem festen Update-Rhythmus, einer jährlichen Durchsicht und einer kurzen Prüfung vor jeder neuen Erweiterung hält der Zustand deutlich länger.

Machen Sie das auch für Agenturen?

Ja, das ist ein guter Teil unserer Arbeit. Viele Agenturen haben Bestandskunden mit schwierigen Installationen und keine Kapazität für die technische Tiefe. Wir arbeiten dann im Hintergrund und treten gegenüber dem Endkunden nicht auf, wenn Sie das so möchten.

Nächster Schritt

Erst die Analyse, dann die Entscheidung

Sie bekommen eine Liste der Baustellen mit Aufwand und erwartetem Nutzen. Danach entscheiden Sie, was davon umgesetzt wird und in welcher Reihenfolge.