SEO beim Systemwechsel

WordPress Migration ohne Rankingverlust planen und absichern

Der technische Umbau ist selten das Problem. Sichtbarkeit geht verloren, wenn Adressen, Metadaten oder interne Verweise beim Wechsel unbemerkt kaputtgehen. Genau das lässt sich verhindern.

Grundsätzliches

Warum Sichtbarkeit bei einem Wechsel überhaupt leidet

Google bewertet keine Systeme. Es bewertet Adressen und was unter diesen Adressen zu finden ist. Ein Wechsel wird deshalb genau dann gefährlich, wenn sich Adressen ändern oder Inhalte unvollständig ankommen.

In der Praxis passiert der Verlust fast nie durch einen großen Fehler, sondern durch viele kleine. Ein Verzeichnis heißt plötzlich anders. Der Trailing Slash verschwindet. Die Beschreibungen aus dem alten SEO-Plugin sind nicht mitgekommen. Bilder liegen unter neuen Namen, also fallen sie aus der Bildersuche. Jeder Punkt für sich wäre verkraftbar, zusammen ergeben sie einen sichtbaren Einbruch.

Was bei WordPress besonders oft schiefgeht

Bei einer WordPress-Installation gibt es ein paar Stellen, die bei jedem zweiten Umzug Ärger machen. Die Permalink-Struktur wurde über die Jahre umgestellt und alte Muster leben in Weiterleitungen weiter. Anhangseiten für einzelne Bilder stehen im Index, obwohl sie niemand braucht. Medien liegen unter Pfaden mit wp-content, die beim Wechsel verschwinden. Dazu kommen Kategorie- und Schlagwortseiten, von denen manche Besucher bringen und die meisten nicht. Wer diese vier Punkte vorher absichern will, muss sie einzeln durchgehen, denn ein Werkzeug erkennt sie nicht von selbst.

Wir sagen ganz offen: Eine Garantie, dass Positionen unverändert bleiben, kann Ihnen niemand geben. Google ändert seine Bewertung laufend, unabhängig von Ihrem Umzug. Was wir zusichern können, ist ein Vorgehen bei dem der Wechsel selbst keine Ursache für Verluste ist. Und ein Monitoring, das Probleme sichtbar macht solange sie noch klein sind.

Fundament

Das URL-Mapping ist die halbe Miete

Bevor irgendetwas gebaut wird, entsteht eine Tabelle mit jeder bestehenden Adresse und ihrem künftigen Ziel. Ohne diese Liste ist jeder Umzug ein Ratespiel.

Woher die Adressen kommen

  • Die vorhandene XML-Sitemap, sofern sie gepflegt wurde
  • Ein vollständiger Crawl der laufenden Website
  • Die Search Console mit allen Adressen die Klicks bekommen haben
  • Serverprotokolle der letzten Monate, dort tauchen auch alte Adressen auf
  • Externe Verweise, damit verlinkte Unterseiten nicht verloren gehen

Erst die Kombination ergibt ein vollständiges Bild. Wer nur die Sitemap nimmt, übersieht regelmäßig Seiten die längst aus der Navigation verschwunden sind, aber weiterhin Besucher bringen.

Was mit jeder Adresse passiert

Für jede Adresse gibt es genau drei erlaubte Ausgänge und keinen vierten.

  • Sie bleibt unverändert bestehen. Das ist immer die erste Wahl.
  • Sie wird per 301 dauerhaft auf die inhaltlich passende neue Adresse geleitet.
  • Sie fällt bewusst weg und liefert einen sauberen 410 oder 404, wenn es kein sinnvolles Ziel gibt.

Was wir nicht machen: alles pauschal auf die Startseite leiten. Google wertet solche Weiterleitungen wie einen Fehler und der Nutzer ärgert sich zurecht. Ketten aus mehreren Sprüngen vermeiden wir ebenfalls, jede alte Adresse zeigt direkt auf ihr Endziel.

Checkliste

Was vor der Umschaltung geprüft wird

Diese Punkte arbeiten wir bei jedem Umzug ab. Die Liste ist bewusst langweilig, denn genau darin liegt ihr Wert.

Prüfpunkte vor dem Wechsel, jeweils mit dem typischen Fehler dahinter
Bereich Was geprüft wird Typischer Fehler
Adressen Schreibweise, Trailing Slash, Groß- und Kleinschreibung Alte Seiten erreichbar unter zwei Varianten gleichzeitig
Weiterleitungen Jede alte Adresse zeigt direkt auf ihr Ziel Ketten über zwei oder drei Zwischenstationen
Metadaten Titel und Beschreibung je Seite, aus dem alten System übernommen Automatisch erzeugte Titel überall gleich
Canonicals Selbstverweis auf die bevorzugte Adresse, absolut geschrieben Verweise zeigen noch auf die Testumgebung
Strukturierte Daten Vorhandene Auszeichnungen übernommen und valide Erweiterte Suchergebnisse verschwinden unbemerkt
Bilder Dateinamen und Pfade bleiben stabil, Alt-Texte kommen mit Neue Namen durch den Export, Bildersuche bricht ein
Interne Links Alle Verweise zeigen auf die neuen Endadressen Interne Links laufen über Weiterleitungen
robots.txt Freigabe stimmt, Sitemap ist eingetragen Die Sperre der Testumgebung geht mit live
Sitemap Nur indexierbare Adressen, korrekte Auszeichnung Weiterleitungen und gesperrte Seiten stehen darin
Statuscodes 200 für Inhalte, 301 für Umzüge, 404 für Entfallenes Fehlerseiten liefern trotzdem den Code 200

Der letzte Punkt wird sogut wie immer übersehen. Eine Fehlerseite, die technisch als erfolgreiche Antwort ausgeliefert wird, sammelt über Monate hinweg leere Seiten im Index an.

Am Umschalttag

Der Wechsel selbst dauert Minuten

  1. Zeitpunkt wählen

    Ein Vormittag unter der Woche mit wenig Verkehr, nie freitags am späten Nachmittag. Wir wollen erreichbar sein, falls etwas nachzujustieren ist.

  2. Alte Version sichern

    Ein vollständiges Abbild der bisherigen Installation wird archiviert, damit sich einzelne Inhalte im Zweifel wieder herstellen lassen.

  3. Umstellen und sofort prüfen

    Direkt nach dem Wechsel laufen automatisierte Prüfungen: Statuscodes, Weiterleitungen, Canonicals, Sitemap und die wichtigsten Formulare.

  4. Search Console informieren

    Neue Sitemap einreichen, Adressen stichprobenartig prüfen lassen und den Indexierungsstatus im Blick behalten.

  5. Vier bis acht Wochen beobachten

    Wir schauen auf Crawlingfehler, Klicks, Impressionen und Ladezeiten. Bei Auffälligkeiten wird nachgebessert, statt abzuwarten.

Danach

Was in den ersten Wochen normal ist

Ein wenig Bewegung in den Zahlen gehört dazu. Google muss die neuen Seiten erst crawlen und bewerten, das passiert nicht über Nacht.

  • Leichte Schwankungen bei Impressionen in den ersten zwei bis vier Wochen
  • Neue Adressen erscheinen nach und nach im Index, nicht alle gleichzeitig
  • Die Search Console meldet vorübergehend Adressen mit Weiterleitung

Nicht normal ist ein Einbruch der über Wochen anhält oder ein plötzlicher Rückgang bei einzelnen wichtigen Seiten. Dann suchen wir gezielt nach der Ursache und können dabei auf das archivierte Abbild zurück greifen, um zu vergleichen was sich geändert hat.

Was wir dokumentieren

Sie bekommen die vollständige Weiterleitungsliste, einen detailierten Vergleich der Metadaten vorher und nachher und einen kurzen Bericht nach dem Beobachtungszeitraum. Damit kann auch ein anderer Dienstleister später weiterarbeiten.

Ehrliche Einordnung

Wo auch wir an Grenzen stoßen

Manche Verluste haben mit dem Umzug nichts zu tun und lassen sich durch keine noch so gute Vorbereitung verhindern.

  • Wenn Google im selben Zeitraum ein größeres Update ausrollt, überlagern sich die Effekte und niemand kann sie sauber trennen.
  • Wenn die alte Seite auf dünnen Inhalten stand, verschwindet dieser Vorteil beim Umbau nicht, er wird nur sichtbarer.
  • Wenn ein Wettbewerber genau zu diesem Zeitpunkt stark aufholt, sieht das in Ihren Zahlen aus wie ein Migrationsproblem.
  • Wenn Inhalte auf Ihren Wunsch zusammengelegt werden, verändert sich die Zuordnung von Suchanfragen zu Seiten, gegebenfalls auch zum Positiven.

Deshalb legen wir im vorhinein fest, welche Kennzahlen wir vergleichen und über welchen Zeitraum. Sonst diskutiert man hinterher über Gefühle statt über Daten. Üblich sind bei uns Klicks, Impressionen und indexierte Seiten im Vergleich zum gleichen Zeitraum davor. Wenn der Umbau ohnehin größer ausfällt, lohnt sich vorab ein Blick auf die Seite zum gesamten Rückbauprojekt und auf die Entscheidungshilfe unter Optionen beim Ausstieg.

Häufige Fragen

Fragen zum Umzug

Muss ich meine URLs überhaupt ändern?

In den meisten Fällen nicht. Wir behalten die vorhandene Struktur bei, auch wenn sie nicht dem entspricht was man heute anlegen würde. Adressen zu ändern lohnt sich nur, wenn sie technisch unbrauchbar sind, etwa bei kryptischen Parametern. Und dann mit vollständiger Weiterleitung.

Wie lange müssen Weiterleitungen bestehen bleiben?

Mindestens ein Jahr, besser dauerhaft. Sie kosten nichts und fangen alte Verweise aus E-Mails, Broschüren oder fremden Websites ab. Wir liefern die Liste in einer Form, die Sie auch bei einem späteren Hosterwechsel weiterverwenden können.

Brauche ich Zugang zur Search Console?

Er hilft sehr. Ohne die Daten arbeiten wir mit Crawl und Serverprotokollen, das ist möglich, aber ungenauer. Falls kein Zugang existiert, richten wir das Konto ein und übergeben es Ihnen. Die Daten gehören Ihnen, nicht uns.

Was ist mit meinen Backlinks?

Verweise von anderen Websites bleiben wirksam, solange die verlinkte Adresse erreichbar ist oder sauber weitergeleitet wird. Deshalb prüfen wir vorher, welche Unterseiten von außen verlinkt sind. Genau diese Seiten bekommen im Zweifel besondere Aufmerksamkeit.

Können Sie eine Migration begleiten, die jemand anderes umsetzt?

Ja. Wir übernehmen dann das Mapping, die Prüfliste und das Monitoring, während Ihre Agentur baut. Das ist ein üblicher Weg, wenn die gestalterische Seite bereits vergeben ist und nur die technische Absicherung fehlt.

Was passiert, wenn doch etwas einbricht?

Dann suchen wir die Ursache und beheben sie. Weil wir Zustand und Kennzahlen vor dem Wechsel festgehalten haben, lässt sich vergleichen statt vermuten. In den meisten Fällen liegt es an einer übersehenen Adressgruppe und ist innerhalb weniger Tage erledigt.

Nächster Schritt

Umzug planen, bevor gebaut wird

Je früher wir die Adressen kennen, desto ruhiger läuft der Wechsel. Schicken Sie uns Ihre Domain und den geplanten Zeitrahmen, wir melden uns mit einer Einschätzung.